Ausrichter der größten Jugendmusicalproduktion im deutschsprachigen Raum

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Archiv für April, 2013

EINE ERMUTIGUNG N E I N ZU SAGEN

Freitag, April 12th, 2013

von: Johannes Maria Schatz

Wie konnte es in unseren Kultur-Hochländern, wie es Deutschland, Österreich oder die Schweiz sein wollen, nur so weit kommen, dass Kunst und Kultur ganz offenbar ihren Wert verloren haben? Wieso müssen vor allem frei und selbständig arbeitende Künstler auf unseren Bühnen inzwischen zu Dumpinglöhnen und armseligsten Bedingungen arbeiten?

Die Antwort ist so einfach wie ernüchternd: Die wenigsten von uns wehren sich dagegen, denn wir fürchten um unsere nackte Existenz, meist verbunden mit der Sorge, nie mehr ein Engagement in diesem oder jenen Haus zu erhalten. Wir haben das Nein-Sagen verlernt!

Selbst hier auf der Protest-Facebook-Seite “Die traurigsten und unverschämtesten Künstler-Gagen und Audition-Erlebnisse“  liest man immer wieder das Argument: Ist der Künstler doch selbst schuld! Schließlich akzeptiert er mit seiner Unterschrift die Vertragsbedingungen.
Dieses Argument geht jedoch an jedem Arbeitnehmerschutzrecht vorbei, das in langwierigen Arbeitskämpfen vieler Generationen hart errungen wurde. Das Arbeitsrecht soll uns einzelne ja gerade dann schützen, wenn wir keine Alternativen mehr haben. Und Schutz braucht man eben dann, wenn man sich selbst nicht mehr helfen kann.

Hinzu kommt, dass der gewerkschaftliche Organisationsgrad gerade bei freischaffenden Künstlern leider minimal ist. Veranstalter nutzen diese Situation ganz bewusst aus, zur Kostensenkung mittels schlechter Arbeitsbedingungen. Machen wir uns nichts vor: Hartz IV hat den Druck auf die Menschen stark erhöht, jedes Arbeitsangebot oder Engagement anzunehmen. Schlechte Arbeitsbedingungen und geringe Bezahlung werden, wo es keine Alternative gibt, akzeptiert. Von den oft hilflosen Arbeitsvermittlern, die mit den vielen Berufsfeldern der Darstellenden oder Bildenden Kunst überhaupt nichts anzufangen wissen, wollen wir gar nicht erst beginnen.

Wenn man uns betroffenen Künstlern also einen Vorwurf machen will, dann den, dass wir uns viel zu wenig organisieren und solidarisieren, sei es in Interessenverbänden oder Gewerkschaften. Wir haben uns zu spät klar gemacht, dass wir unsere Lage nur durch eine konsequente kollektive Interessenvertretung verbessern können. Wenn wir das nicht endlich tun, werden sich die schlechten Bedingungen kaum ändern. Als Einzelner können wir zwar einen Rechtsstreit führen und den möglicherweise auch gewinnen. Ein weiteres Engagement werden wir dort aber sicher nicht mehr bekommen, wenn es im Haus nicht einen Betriebsrat gibt, der den Konflikt für uns mit dem Arbeitgeber austrägt.

Die Zeit scheint reif für einen großen Zusammenschluss zu sein! Endlich wissen wir, dass wir nicht alleine mit diesen erniedrigenden Arbeitsbedingungen zu kämpfen haben. Endlich spüren wir jemanden an unserer Seite! Endlich erwacht auch das Theaterpublikum langsam aus seinem Dornröschenschlaf! Endlich gibt es Solidaritätsbekundungen über alle Genres hinweg! „ART BUT FAIR“ soll und wird mit der Unterstützung aller ein Interessenverband werden, der den Finger in die Wunde legt, die Goldenen Regeln – an denen wir noch arbeiten (siehe unten) – wollen ein Grundgerüst an Orientierung bieten, was wir von uns selbst, aber auch von anderen erwarten dürfen und müssen.

In der Zwischenzeit können wir nur zu einem ermutigen: Endlich NEIN zu Arbeitsbedingungen und Gagen zu sagen, die nicht nur jedem einzelnen schaden, sondern letztlich unserem gesamten Berufsstand als Künstler!

Sagt in Zukunft einfach: NEIN!!!

Ein offener Leserbrief zum aktuellen Leitartikel der GDBA

Samstag, April 6th, 2013

Lieber Herr Herdlein,
Liebes Präsidium der GDBA!

Mit Genugtuung nehmen WIR zur Kenntnis, dass unsere Bewegung “art but fair” und Elisabeth Kulmans Aufruf zur “Revolution der Künstler” auch bei Ihnen Beachtung gefunden hat und die Sorgen und Nöte so vieler deutschen Bühnenkünstler endlich vom GDBA wahr- und ernst genommen werden! Allerdings hätten WIR uns auch gewünscht, dass Sie nicht so selektiv zitieren, wie von Ihnen im aktuellen Leitartikel vorgenommen. Sei’s drum! In vielen Inhalten sind wir nämlich einer Meinung. In anderen aber ganz bestimmt nicht!

WIR zählen gerne ein paar ‘Errungenschaften’ der GDBA der letzten Jahrzehnte auf:

Die Mindestgage im Solobereich am Theater (NV-Bühne/Solo) ist von 2.400 DM (1991) auf 1.600 Euro (2013) gesunken. Ja wohl, GESUNKEN, denn das ist ein realer Kaufkraftverlust von ca. 33%. Dank des ‘Verhandlungsgeschicks’ der GDBA leben also viele Künstler ein Niedriglohn-Leben im subventionierten Theaterbetrieb.

Die Ensembles in den Stadttheatern werden massiv dadurch geschwächt, dass es der GDBA in über 40 Jahren nicht gelungen ist, das Gastvertragsrecht zu reformieren. Es gibt dort keine Mindestgage! Das führt dazu, dass immer mehr klamme Stadttheater Gäste zu noch ungünstigeren Bedingungen beschäftigen, als die Mindestgage von NV-Solo. Wir reden hier über Vorstellungsgagen von ca. 100 Euro, ohne Spesen- und Probenbezahlung, Herr Herdlein!

Der Fisch stinkt immer vom Kopf her! Insofern sollten sich die Funktionäre der GDBA ernsthaft fragen, ob man ausgerechnet die Künstler für ihre Mitgliederschwäche verantwortlich machen sollte. Liegt es nicht viel eher daran, dass sich Ihre Gewerkschaft stets nur in Kontemplation ergeht (“Alle machen alles falsch, Gott sei Dank machen wir auch nichts!”) und schon lange keine politischen Ziele mehr verfolgt? Stattdessen beteiligt sich die GDBA überall an der Aushandlung von Haustarif-Verträgen, was dazu führt, dass alle Beschäftigten noch weniger Geld nach Hause tragen. Ob dadurch wirklich Theater-Arbeitsplätze gerettet werden, wagen wir zu bezweifeln.

In einem aber haben Sie sicher Recht: Es braucht eine kraftvolle, engagierte Gewerkschaft! Und das kann die GDBA vielleicht sogar wieder werden, wenn beim nächsten Genossenschaftstag Ende Mai endlich ein neuer und jüngerer Präsident gewählt wird. Dann könnte ein Ruck durch Ihre Gewerkschaft gehen, der sie dann auch wieder für jüngere Künstler attraktiv macht.
Bei allem Respekt, Herr Herdlein: Haben Sie schon einmal einen Blick auf die Anzahl und den Altersdurchschnitt Ihrer Mitglieder geworfen und ihn mit den unsrigen 6.300 Usern verglichen? Haben Sie sich schon einmal gefragt, wieso das so ist?

WIR drücken der GDBA für Ende Mai die Daumen für eine zukunftsweisende Wahl! Dann könnten WIR unseren Usern guten Gewissens empfehlen, dieser Gewerkschaft wieder beizutreten. Es wäre einfach schön, wenn die GDBA wieder von Menschen dominiert würde, die noch im Berufsleben stehen!

WIR möchten keinen Kriegsschauplatz eröffnen! Wie gesagt: In vielen Forderungen sind wir uns sicher einig!

In diesem Sinne werden WIR Ende Mai ganz aufmerksam auf Ihre Wahl schauen, um gegebenenfalls die von Ihnen geforderte “Revitalisierung des Gewerkschaftsgedankens” zu unterstützen!

Mit freundlichen Grüßen
Für das “art but fair” – Team
Johannes Maria Schatz