Hadwig & Ekkehard: Story
Die Geschichte führt auf den Hohentwiel zu Beginn des Mittelalters, wo sich Herzogin Hadwig und der gelehrte Mönch Ekkehard begegnen. Sie stammt aus der Welt der Macht, er aus der Welt des Glaubens. Trotz wachsender Nähe bleiben beide an die Rollen gebunden, die ihr Leben bestimmen: die Herrscherin, die Verantwortung trägt, und der Priester, der seinem Gelübde verpflichtet bleibt. Aus dieser Spannung entsteht eine Liebe, die ebenso tief wie unmöglich erscheint.
ERSTER AKT
(Instrumental: Ouvertüre). Wir befinden uns im Jahr 973. Herzog Burchard III. von Schwaben ist gestorben; aus seiner Ehe mit der deutlich jüngeren Herzogin Hadwig sind keine Kinder hervorgegangen. In seiner Grabkammer beginnt die Handlung, während der Chor die düstere Stimmung des Machtvakuums beschwört (Ensemble: Dunkle Welt).
Auf dem Hohentwiel, der Residenz des Herzogspaares, soll Kaiser Otto II. verkünden, wer künftig das Herzogtum führt. Unerwartet überträgt er die Herrschaft an Herzog Otto, der aus einer anderen Familie stammt. Hadwig soll ihn nach dem Willen des Kaisers heiraten. Ihr Bruder Heinrich II. von Bayern tobt und erhebt eigene Ansprüche auf Schwaben. Hadwig hält dagegen: Sie weist die Heiratspläne zurück, bleibt jedoch entschlossen, vom Hohentwiel aus Politik zu gestalten (Hadwig: Kein Spielball mehr von Männern).
Abt Ruodmann von der Reichenau und sein Prior Hatto beraten im Geheimen, wie sie sich angesichts von Hadwigs Machtspiel und der heiklen Südallianz taktisch verhalten sollen, und schmieden einen doppelzüngigen Plan, der dem Kaiser Loyalität verspricht und zugleich ihren eigenen Vorteil wahrt. Während sie nach außen hin Vorsicht und Treue betonen, stehen sie bereit, jede Seite auszuspielen, die ihnen Nutzen bringt (Ruodmann & Hatto: An der Seite des Kaisers).
Hadwig steht auf dem Hohentwiel und blickt in einen schweren Winterhimmel, während Spazzo ihr berichtet, dass ihr Bruder Heinrich sich gegen den Kaiser erhoben hat und sich die politische Lage dramatisch zuspitzt. Zwischen Sorge, Zorn und Misstrauen erkennt Hadwig, dass Verbündete bröckeln und selbst die Reichenau ihr doppeltes Spiel treibt, weshalb sie einen strategischen Besuch in St. Gallen planen lässt. Als sie allein bleibt, öffnet sich in ihrem Lied ein Blick in ihre Einsamkeit, ihre Sehnsucht nach dem Frühling und das Bewusstsein, dass die Jahre an ihr vorüberziehen. (Hadwig: Nur den Wolken).
Ein Besuch im Frühjahr wird vorbereitet (Männer-Ensemble: Justus germinabit). Vor den Toren von St. Gallen verlangt Abt Notker streng die Einhaltung der Regel des heiligen Benedikt: Eine Frau darf die Klosterschwelle nicht überschreiten. Hadwig besteht jedoch darauf, dass Kloster zu visitieren. Der junge Leiter der Mönchsschule, Ekkehard, findet eine Lösung: Er trägt die Herzogin über die Schwelle, Bruder Ekkehard die Hofdame Praxedis (Instrumental: Die Klosterschwelle).
Die unbeholfen-strenge Art von Bruder Romeias und dessen brummige Art geht bei Praxedis schnell in ein warmherziges Gespräch über. Während beide einander neugierig mustern, entfaltet sich zwischen ihnen ein spielerischer Schlagabtausch, der in Romeias’ Staunen über Praxedis’ ferne Heimat mündet. In ihrem Lied beschreibt die ein leuchtendes Bild ihrer Heimatstadt (Praxedis: Byzanz).
Hadwig bietet dem Abt politische Unterstützung an, wenn er im Gegenzug ihre Anliegen stärkt. Sie überredet ihn außerdem, Ekkehard mit auf den Hohentwiel zu schicken – als Lehrer, geistigen Berater und Gesandten des Klosters (Hadwig & Notker: Nur ein Geschenk).
Praxedis und Romeias verabschieden sich im Klosterhof, und in der schlichten Geste eines gepflückten Blumenstraußes entsteht ein unverhoffter Moment zarter Nähe. Als Praxedis gegangen ist, zieht sich Romeias in seine Klause zurück, hängt die Blumen wie einen Schatz an die Wand und zeichnet kindlich-verträumt ein Herz darum, das ein jüngerer Bruder auf seinen brummigen Befehl hin mit Praxedis’ Namen ergänzt (Instrumental: Reprise Byzanz).
In der Bibliothek des Klosters St. Gallen steht Ekkehard vor einem Wendepunkt. Am nächsten Morgen soll er das vertraute Kloster verlassen und auf den Hohentwiel gehen. Allein zwischen Büchern und Pergamenten ringt er mit Abschiedsschmerz, Unsicherheit und der Frage, was das neue Leben von ihm verlangen wird. Seine Gedanken kreisen um Glauben, Gehorsam und die Versuchung der Welt jenseits der Klostermauern (Ekkehard: Wann).
Ein Mitbruder warnt ihn eindringlich vor dem Dienst am Hof und vor der Nähe zu einer Frau. Zum Abschied schenkt er Ekkehard geweihtes Wasser als Zeichen des Schutzes und der inneren Reinheit. Gestärkt, aber nachdenklich macht sich Ekkehard innerlich auf den Weg (Ekkehard: Gott sei mit mir).
In der prunkvollen Zelle des Abtes auf der Reichenau beraten Abt Ruodmann und sein Vertrauter Hatto über neue Entwicklungen. Mit wachsendem Misstrauen erfahren sie, dass Herzogin Hadwig den jungen Mönch Ekkehard aus St. Gallen auf den Hohentwiel geholt hat. Ruodmann erkennt darin eine politische wie geistliche Gefahr: Der Einfluss des Klosters St. Gallen auf Hadwig wächst, während seine eigene Macht schwindet. Entschlossen beschwört er ein engeres Bündnis mit Kaiser und Herzog Otto. In einem fanatisch aufgeladenen Duett bestärken sich beide in ihrem Kampf gegen vermeintliche Bedrohungen und rufen zur geistlichen Wachsamkeit auf (Ruodmann, Hatto & Ensemble: Seid nüchtern und wachsam).
Am Ufer des Bodensees begegnet Ekkehard dem irischen Priester Moengal, der einst selbst Mönch in St. Gallen war und nun als Dorfgeistlicher in Radolfzell lebt. Zwischen Jagd, Fischfang und derben Scherzen prallen zwei Lebensentwürfe aufeinander: der junge, pflichtbewusste Ekkehard und der erfahrene Moengal, der die Klostermauern bewusst hinter sich gelassen hat. In einem persönlichen Rückblick erzählt Moengal von seinem Weg aus strenger Frömmigkeit hin zu einem erfüllten, lebensnahen Glauben (Moengal: Finde in den Menschen Gott). Die Begegnung hinterlässt bei Ekkehard Fragen, Zweifel – und erste Risse im bislang festen Gefüge seiner Überzeugungen. Moengal bietet ihm schließlich an, ihn auf dem einsamen Weg zum Hohentwiel zu begleiten.
Auf dem oberen Plateau des Hohentwiel empfängt Herzogin Hadwig den frisch eingetroffenen Ekkehard mit sichtbarer Freude. Stolz zeigt sie ihm ihre Burg und den weiten Blick über Berge und See. Als Zeichen der Wertschätzung überreicht sie ihm eine kunstvoll geschnitzte Madonna und weist ihm ein komfortables Gemach in ihrer unmittelbaren Nähe zu. Ekkehard jedoch zögert: Er sehnt sich nach Stille, Gebet und geistiger Zurückgezogenheit. Hadwig reagiert zunächst enttäuscht, respektiert schließlich aber seinen Wunsch und lässt ihm eine abgelegene Kammer zuweisen. Die Szene markiert den Beginn ihres gemeinsamen Weges auf dem Hohentwiel – geprägt von Nähe, Missverständnissen und vorsichtiger Annäherung (Instrumental: Reprise Klosterschwelle).
Am Abend trifft Ekkehard im Privatgemach der Herzogin auf Hadwig zu einer ersten Unterrichtsstunde. Während das Feuer im Kamin brennt, beginnt er mit der Lektüre aus Vergils Aeneis. Hadwig reagiert zunächst müde, wird jedoch hellwach, als die Gestalt der Königin Dido beschrieben wird. In ihr erkennt sie Parallelen zu ihrem eigenen Selbstverständnis als Herrscherin. Die Szene verbindet Gelehrsamkeit und leise Selbstoffenbarung: Literatur wird zum Spiegel von Macht, Identität und unausgesprochenem Einverständnis zwischen Lehrmeister und Herzogin (Instrumental: Die Aeneis).
Am Hang des Hohentwiel tröstet die Gänsemagd Hadumoth den weinenden Ziegenhirten Audifax. Er träumt davon, einen Schatz zu finden, um sich und Hadumoth aus ihrem einfachen Leben zu befreien. In einem spielerischen Duett teilen sie Traurigkeit und Hoffnung (Hadumoth & Audifax: Tränen sollst du keine sehn). Als Hadumoth von dem gelehrten Mann aus St. Gallen erzählt, fasst Audifax einen kühnen Entschluss: Er will ihn um Hilfe bitten.
Im Burghof bittet der Ziegenhirt Audifax den gelehrten Ekkehard um einen Zauberspruch, mit dem sich sein vermeintlich verborgener Schatz heben lässt. Ekkehard erkennt die kindliche Sehnsucht hinter dem Wunsch und erteilt ihm scherzhaft einen lateinischen Vers aus Vergil. Für Audifax wird daraus ein ernstes Versprechen: Gemeinsam mit Hadumoth beschließt er, in der Nacht nach dem Schatz zu suchen.
Bei einer abendlichen Lesestunde im Privatgemach schlägt Herzogin Hadwig erstmals die Heilige Schrift auf. Die Worte des Hohelieds entfalten eine unerwartete Nähe zwischen ihr und Ekkehard. Hadwig spricht offen über Sehnsucht, Freiheit und ein Leben jenseits von Pflicht und Gehorsam, während Ekkehard innerlich mit seinen Gefühlen ringt. Nach dem Abschied stehen beide allein am Fenster, verbunden durch unausgesprochene Liebe und wachsende innere Zerrissenheit (Hadwig & Ekkehard: Herz, mein Herz).
In tiefer Nacht versuchen Audifax und Hadumoth am Hohenkrähen mit einem Zauberspruch einen verborgenen Schatz zu heben. Als das Ritual wirkungslos bleibt, kommen Zweifel auf: Vielleicht reicht das gelernte Wissen nicht aus. Hadumoth lenkt den Blick auf alte, verbotene Kräfte und nennt die geheimnisvolle Waldfrau Baltrun als mögliche Helferin. Die Szene schlägt eine dunklere, unheimliche Tonlage an und führt die Kinder einen gefährlichen Schritt weiter (Hadumoth & Audifax: Auri sacra fames).
Neugierig folgen Audifax und Hadumoth einem unheimlichen Treiben am Hohenkrähen. In einem nächtlichen Feuerkult ruft die geheimnisvolle Baltrun mit maskierten Dorfbewohnern die Große Göttin an und vertreibt mit Lärm und Flammen die Wintergeister. Erschrocken erkennen die Kinder die Macht alter Bräuche und fliehen. Audifax beschließt, Ekkehard davon zu berichten – in der Hoffnung auf einen noch stärkeren Zauberspruch (Ensemble: Lodre Flamme).
Im Morgengespräch geraten Hadwig und Ekkehard heftig aneinander. Während Ekkehard die nächtlichen Rituale der Untertanen als gefährlichen Aberglauben verurteilt, verteidigt Hadwig einen pragmatischen Umgang mit alten Bräuchen und Glaubensvorstellungen. Der Streit offenbart einen tiefen Gegensatz zwischen kirchlicher Strenge und politischer Klugheit – und eskaliert zu einer persönlichen Demütigung Ekkehards, der verbittert den Raum verlässt (Instrumental: Reprise Kein Spielball mehr).
Trotz Hadwigs Verbots sucht Ekkehard heimlich die Waldfrau Baltrun in ihrer abgelegenen Hütte auf (Baltrun: Die alten Götter). Zwischen christlicher Strenge und naturverbundener Weltdeutung prallen zwei Glaubensvorstellungen unversöhnlich aufeinander. Ekkehard versucht, Baltrun mit einem Exorzismus zu unterwerfen, während sie ruhig ihre Verbundenheit mit der Schöpfung verteidigt (Ekkehard: Ecce crucem). Hadwig greift schließlich ein, durchschaut die Situation und beendet den fanatischen Eifer Ekkehards. Spöttisch zwingt sie ihn zur Rückkehr – zurück zur Vernunft, zurück zur Bildung, zurück zu Vergil (Instrumental: Reprise Steig auf).
In der Abtszelle auf der Reichenau beraten Ruodmann und Hatto über die dramatische Lage des Reiches: Papststurz, Aufstände und ein heranrückender langobardischer Heerzug. Bald wird klar, dass Kaiser und Herzog Otto einen zynischen Plan verfolgen: Der Angriff soll Hadwig treffen, während man selbst abwartet. In einem bitter-ironischen Ensemble entwerfen Ruodmann und Hatto eine Intrige, die ihnen Macht und Pfründe sichern soll – auch um den Preis fremden Leids (Ruodmann & Hatto: Geradezu teuflisch).
Beim Blick über das Land auf dem Hohenkrähen geraten Hadwig und Ekkehard in einen schmerzhaften Moment des Missverstehens. Ekkehards fromme Deutung der Höhe als Versuchung verletzt Hadwig zutiefst; sie wendet sich enttäuscht ab. Allein zurückbleibend erkennt Ekkehard erstmals die Tiefe seiner inneren Zerrissenheit zwischen Glauben und Liebe. In einem verzweifelten Solo ringt er um Halt und Gewissheit (Ekkehard: Mein Herz ertrinkt).
Ein Bote bringt alarmierende Nachrichten: Markgraf Konrad von Ivrea ist mit einem Heer über die Alpen gezogen und plündert bereits im süddeutschen Raum. Hadwig erkennt die Gefahr und handelt entschlossen. Während Ekkehard als Ratgeber versagt, vertraut sie auf klare Führung und militärische Stärke. Gegen den erwarteten Verrat des Kaisers befiehlt sie die Mobilisierung des Heerbanns und macht den Hohentwiel zum Sammelpunkt. Hadwig entscheidet sich für den Kampf – aus Pflicht gegenüber ihrem Land und ihren Untertanen.
Auf dem Hohentwiel herrscht fieberhafte Kriegsvorbereitung, als die Mönche aus St. Gallen eintreffen. Abt Notker berichtet von der Flucht vor den langobardischen Angreifern und vom heldenhaften Tod des Mönchs Romeias, der sein Leben opferte, um andere zu retten (Notker & Praxedis: Romeias kehrte tapfer um I & II). Die Nachricht trifft Praxedis tief und verwandelt Trauer in Zorn. Hadwig schwört Vergeltung, und aus persönlichem Verlust wächst der Wille zum Widerstand.
Kurz vor der Schlacht sucht Hadwig Ekkehard auf. Sie überreicht ihm das Schwert ihres verstorbenen Gemahls und eine Kreuzreliquie als Schutz. Zwischen Pflicht, unausgesprochener Nähe und verpasstem Abschied bleibt vieles ungesagt. Als Hadwig wütend geht, erkennt Ekkehard schmerzhaft seine eigene Unfähigkeit zum Handeln. Allein bekennt er sich erstmals offen zu seiner Liebe – einer Liebe, die ihn zugleich erhebt und zerreißt (Ekkehard: Liebe ist unerträglich).
In Radolfzell bereitet sich der irische Priester Moengal auf den Krieg vor. Empört über die Verwüstungen der Langobarden und den Verfall des kirchlichen Lebens greift er zu drastischen Mitteln: bewaffnet, kampfbereit und mit derbem Humor zieht er auf den Hohentwiel. Seine rustikale Kampfansage verbindet Zorn, Trotz und Lebenslust (Moengal: Cambutta).
Im Morgengrauen versammeln sich Geistliche, Krieger und Volk im Innenhof des Hohentwiel zum Gottesdienst vor der Schlacht. Ekkehard hält eine fanatisch aufgeladene Predigt, deutet den bevorstehenden Kampf als göttliche Prüfung und beschwört Sieg und Erlösung. Der religiöse Eifer steigert sich zu kollektischer Kampfbereitschaft, als christliche und vorchristliche Rufe ineinanderfallen. Im Jubel und im Glauben an höhere Mächte ziehen die Kämpfer in den Krieg (Ekkehard, Hadwig & Ensemble: Der Herr ist ein Krieger).
ZWEITER AKT
(Instrumental: Entreact) Vor den Toren des Hohentwiel kommt es zur entscheidenden Schlacht. Unter Hadwigs Führung und Spazzos Kommando treffen alemannische Truppen, Mönche und Krieger auf das langobardische Heer. Ekkehard kämpft an der Spitze der St. Gallener, Moengal stürzt sich mit ungebremster Wucht ins Gefecht. Der Kampf wogt hin und her, Rückzug und Verrat schwächen zeitweise die Reihen, bis Herzog Heinrich mit den Bayern eingreift und das Blatt wendet. Der Sieg wird errungen, doch er fordert einen hohen Blutzoll (Hadwig & Ensemble: Die Schlacht).
Nach der Schlacht kommt es im Thronsaal des Hohentwiel zur Abrechnung. Spazzo wirft Abt Ruodmann offenen Hochverrat vor, da sich die Reichenauer im entscheidenden Moment eigenmächtig zurückgezogen haben. Ruodmann spricht von einem Missverständnis, doch Hadwig lässt diese Erklärung nicht gelten. Sie rügt sein eigenmächtiges Handeln scharf und entzieht ihm zentrale Pfründen. Mit klarer Autorität setzt sie ein politisches Zeichen gegen Illoyalität und Machtspiele der Kirche.
Nach der Schlacht bittet die Gänsemagd Hadumoth Herzogin Hadwig um Hilfe. Ihr Freund Audifax ist nicht gefallen, sondern von den Langobarden verschleppt worden. Entschlossen will Hadumoth aufbrechen, um ihn freizukaufen. Hadwig erkennt den Mut des Mädchens, unterstützt sie großzügig und stellt sie als Beispiel für Treue und Verantwortung heraus. Aus kindlicher Liebe wird entschlossener Aufbruch (Hadumoth: Ich muss fort).
In Rätien finden Audifax und Hadumoth nach ihrer Flucht die Freiheit wieder. Audifax hat einen langobardischen Schatz erbeutet und beide planen, Hadwig großzügig zu danken. Aus Gefahr und Entbehrung wächst eine gemeinsame Zukunftsvorstellung: schlicht, hoffnungsvoll und getragen von gegenseitiger Treue (Audifax & Hadumoth: Ein bisschen Glück).
Nach dem Sieg warnt Hadwig ihren Bruder Heinrich vor einem offenen Machtkampf mit Kaiser Otto. Heinrich jedoch verfolgt unbeirrt größere Ziele: die Kaiserkrone. Hadwig rät zu klügerem, verdecktem Vorgehen und schickt ihn zu Baltrun, deren Weissagungen sie ernst nimmt. Heinrich geht – selbstbewusst, ehrgeizig und überzeugt, sein Schicksal lenken zu können.
Auf dem Hohenkrähen sucht Heinrich Rat bei der Waldfrau Baltrun, die ihn seit Kindheit kennt. In einer visionären Weissagung zeichnet sie ihm einen Weg voller Machtkampf, Niederlagen und persönlicher Demütigung. Heinrich weigert sich, die Warnungen anzunehmen, und klammert sich an seinen Anspruch auf die Kaiserkrone. Baltrun mahnt zur Besonnenheit – doch der Ehrgeiz ist stärker (Baltrun & Heinrich: Weib rede klar).
Nach der Schlacht sinnt Abt Ruodmann auf Vergeltung. Gedemütigt und machtlos schmiedet er gemeinsam mit Hatto einen Plan, um Ekkehard zu Fall zu bringen. Hatto soll auf dem Hohentwiel eine kompromittierende Situation provozieren und die vermeintlich sündige Nähe zwischen Ekkehard und Hadwig entlarven. Allein in der Kapelle steigert sich Ruodmann in ein fanatisches Gebet, das göttliche Gerechtigkeit einfordert, tatsächlich aber von Hass und Rachsucht getrieben ist (Ruodmann & Ensemble: Hör mich, Herr).
Auf dem Hohentwiel wird die Hochzeit von Audifax und Hadumoth gefeiert. Ein heiteres Bänkelsängerlied erzählt ihre Geschichte und verwandelt das Fest in einen ausgelassenen Moment gemeinsamer Freude. Während das Volk tanzt und lacht, zieht sich Ekkehard still aus der Menge zurück – seine Einsamkeit hebt sich scharf vom Glück der anderen ab (Ensemble: Hört, ihr braven Männer).
Während das Hochzeitsfest weitergeht, sucht Hadwig noch einmal das Gespräch mit Ekkehard. Abseits der Feier sprechen sie über Glück, Pflicht und verpasste Möglichkeiten. Hadwig entwirft ihm eine Zukunft jenseits des Klosters, vorsichtig, tastend, voller unausgesprochener Hoffnung. Ekkehard erkennt die Nähe – und zugleich ihre Unerreichbarkeit. Als Hadwig fortgerufen wird, bleibt ein bitteres Gefühl zurück: Vielleicht gibt es kein „morgen“ mehr für das Ungesagte (Instrumental: Reprise Klosterschwelle).
Allein in der dunklen Kapelle verliert Ekkehard endgültig den Halt. Zwischen Gebet und Verzweiflung zerbricht sein inneres Gleichgewicht; Glauben und Selbstkontrolle weichen einer obsessiven Fixierung auf Hadwig. Als sie die Kapelle betritt, kippt die innere Krise in offenen Wahnsinn. Ekkehard überschreitet eine Grenze, die nicht mehr rückgängig zu machen ist.
Seine Arme schlingen sich um die Herzogin, wütend presst er sie an sich und zwingt ihr einen Kuss auf – und wird im entscheidenden Moment entdeckt (Ekkehard: Nichts kann Frieden schenken).
Nach der Eskalation in der Kapelle wird Ekkehard öffentlich gestellt. Hatto und Ruodmann nutzen den Vorfall, um ihn als Gotteslästerer und Verführer zu brandmarken. Vor dem Volk kippt persönliche Schuld in kollektive Anklage. Ekkehard verliert jede Unterstützung, wird überwältigt und abgeführt. Hadwig entzieht sich demonstrativ – das Band zwischen ihnen ist endgültig zerrissen (Ruodmann & Ensemble: Sakrileg).
Im fackelbeleuchteten Burghof trifft Praxedis auf Hatto. Unter dem Deckmantel religiöser Ordnung entwirft er ein grausames Strafprogramm gegen Ekkehard und offenbart dabei Machtmissbrauch und Zynismus. Als Praxedis um Mitleid bittet, schlägt Hatto in offene Erpressung um. Die Szene entlarvt die Gewalt, Heuchelei und persönliche Niedertracht hinter der kirchlichen Anklage.
In der Nacht wagt Praxedis den gefährlichen Gang ins Verlies. Mit List setzt sie den Wächter außer Gefecht (Soldat: Du heller Stern) und bietet Ekkehard die Flucht an. Zerrissen zwischen Schuldgefühl und Selbstbestrafung zögert er – bis Spazzo eingreift. Gegen die Intrigen der Reichenauer organisiert er Ekkehards heimliche Rettung und weist ihm den Weg ins Exil nach Radolfzell. Während draußen der Morgen naht, entkommt Ekkehard der öffentlichen Demütigung um Haaresbreite (Ekkehard, Spazzo & Praxedis: Wie soll das enden).
Im Pfarrhaus von Radolfzell findet Ekkehard Zuflucht bei Moengal. Zwischen rauem Humor und leiser Erkenntnis wird deutlich, dass seine Flucht ihn nicht nur räumlich, sondern auch geistig an einen Wendepunkt geführt hat. Moengal vermittelt ihn ausgerechnet an Baltrun, jene Frau, der Ekkehard einst als Gegner begegnete. Notgedrungen nimmt er ihre Hilfe an. Gemeinsam brechen sie in die Abgeschiedenheit der Alpen auf – verfolgt von der Kirche, aber erstmals offen für eine andere Form von Wahrheit.
Auf dem Hohentwiel brechen Hadwigs politische Sicherheiten endgültig weg. Ihr Bruder Heinrich ist entmachtet und exkommuniziert, Bayern neu vergeben, der Kaiser stärkt gezielt seine Gegner. Mit dem Tod Abt Notkers verliert Hadwig ihren letzten kirchlichen Verbündeten; dessen Nachfolger entstammt ausgerechnet der Reichenau. Völlig allein erkennt Hadwig die Ausweglosigkeit ihrer Lage (Hadwig: Einsamkeit). Statt offener Konfrontation wählt sie einen neuen Weg: Sie lässt nach Ekkehard suchen und plant zugleich, ihn über den Kaiserhof wieder in Stellung zu bringen. Aus persönlichem Verlust wird politische Strategie.
Hadwig und Ekkehard begegnen sich ein letztes Mal in vertrauter Nähe. Vergangenes ist benannt, Schuld vergeben, doch die äußeren Rollen bleiben unüberwindbar. Ekkehard kann sein geistliches Amt nicht ablegen, Hadwig ihre Herrschaft nicht verlassen. Ihre Liebe findet keine Zukunft in der Welt, sondern nur im bewussten Verzicht. In der gemeinsamen Erkenntnis, dass Erfüllung auch im Loslassen liegen kann, bekennen sie sich zueinander – wissend, dass ihre Liebe keinen Weg nach außen hat (Hadwig & Ekkehard: Keine Liebe, ohne Trauer).
In Radolfzell ziehen Moengal und Baltrun Bilanz über Ekkehards Weg und ihre eigenen Erfahrungen. Beide erkennen, dass jenseits von Dogma und Machtfragen eine gemeinsame Mitte liegt: ein Gott der Liebe, der Heilung und der Nähe zum Menschen. Baltrun entdeckt in Maria Züge der Großen Mutter wieder, Moengal benennt offen die kirchlichen Verwerfungen von Rom. In einem stillen theologischen Gleichklang verschränken sich Christentum und alte Weisheit zu einem versöhnlichen Ausblick auf das Menschliche und das Heilige (Baltrun: Mutter unsrer Welt). Kein Sieg, kein Dogma – sondern ein ruhiger Strom, der weiterfließt.
Sechzehn Jahre nach ihrer Trennung kehrt Ekkehard ein letztes Mal, gezeichnet von Krankheit, auf den Hohentwiel zurück. In der Intimität von Hadwigs Privatgemach finden sie noch einmal zueinander – nicht als Herzogin und Mönch, sondern als zwei Menschen, die ein Leben lang an derselben Grenze standen. Gemeinsam erinnern sie sich an Vergil, an verpasste Schwellen und an eine Liebe, die sich nie erfüllen durfte. Im Tod findet Ekkehard jene Vereinigung, die ihnen im Leben versagt blieb, während Hadwig zurückbleibt – mit der Gewissheit einer Liebe, die stärker war als Stand, Amt und Zeit (Hadwig & Ekkehard: Lege die Sorge um mich ab).
Im Epilog öffnet sich der Blick über das persönliche Drama hinaus. Praxedis führt das Publikum durch die Lebenswege der Figuren nach Ekkehards Tod: Hadwig bleibt allein und bewahrt ihre Würde bis ins hohe Alter; Macht und Reich ordnen sich neu, Prophezeiungen erfüllen sich, manche Hoffnungen tragen Früchte, andere vergehen. Heidnische Riten verschwinden, leben jedoch verwandelt im Brauchtum fort. Liebe findet unterschiedliche Wege – in Familie, Erinnerung, Kunst und Heimat. Am Ende steht nicht Schuld oder Triumph, sondern Verwurzelung: Der Hohentwiel bleibt Ort der Herkunft, der Erinnerung und des inneren Heimkommens (Ensemble: Mein Hohentwiel).