Ausrichter der größten Jugendmusicalproduktion im deutschsprachigen Raum

AnmeldenZum Inhalt springen

Archiv für Kategorie 'Rezensionen'

CD Rezension: Ich war noch niemals in New York

Mittwoch, Februar 6th, 2008

Original Hamburger Cast 2008

Ob es notwendig und klug war, dass Udo Jürgens nach ABBA und Queen nun auch sein eigenes Compilation-Musical bekommen hat und ob er dem Handlungsstrang mehr Aufmerksamkeit hätte schenken müssen, sei dahin gestellt. Er hat der Musical-Idee begeistert zugestimmt und beim allzu seichten Plot nicht interveniert. Damit ist er mit- wenn nicht sogar hauptverantwortlich für das Ergebnis. Diese sicherlich interessante Diskussion hat bei dieser CD Kritik aber nicht wirklich etwas verloren. Und darum gleich zum Eigentlichen.

Bereits sechs Wochen nach der Premiere im TUI Operettenhaus erscheinen die Songs von Udo Jürgens als „Musical-Komödie“ der Stage Entertainment. Dieser Zeitraum war natürlich zu knapp, um ins Studio zu gehen. Darum wohl liegt die CD als kostengünstige Live-Aufnahme vor. Es könnte allerdings auch Kalkül dahinter gesteckt haben: Das – häufig zu hörende – Geklatsche soll wahrscheinlich zum Musicalbesuch in Hamburg animieren. Tatsächlich kann man sich diesem Gute-Laune-Gefühl nicht gänzlich entziehen. Ganz neben bei bekommt man ja auch noch suggeriert, dass den anwesenden Zuschauern das Stück offensichtlich sehr gut gefällt. Trotzdem: Applaus nicht nur vor und nach den Songs, sondern auch mittendrin hat etwas von Bierzelt und hätte beim Mastering sparsamer ausfallen dürfen.

Mit seinen 25 Tracks wartet die CD mit einer sehenswerten Gesamtlänge von 78:18 Minuten auf. Gespart wurde dafür aber beim gerade mal sechsseitigen Booklet. Da liest man einen dürftigen Pressetext mit eingeschobenen Zitaten aus der Kritik der Süddeutschen, erfährt die Namen des Produktions- und des Künstlerischen Teams, darf ein paar Fotos bewundern und benennt schließlich die einzelnen Tracks mit Urhebern, Verlag und Sängern bzw. Musikern. Nach Songtexten aber sucht man vergebens, obwohl doch gerade die kleinen Unterschiede zwischen Udo-Original und Musical-Version so spannend gewesen wären, denn die Songs wurden der jeweiligen Handlung durch entsprechende Textveränderungen angepasst. Um beurteilen zu können, ob das gelungen ist, müsste hier auf den Plot des Musicals eingegangen werden. Der fehlt aber auf der CD natürlich und das ist auch gut so.

Die Arrangements von Altmeister Michael Reed und Roy Moore sind frisch, wenngleich sie manchmal etwas zu opulent bzw. west-end-lastig ausfallen. Lieder wie “Schöne Grüße aus die Hölle” im neuen Sambarhythmus oder “Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff” sind tolle Shownummern geworden. Die Hintergrundchöre mit ihren viel zu simplen und lang gezogenen „uhhhhs“ und „ahhhhs“ hätten allerdings mehr Aufmerksamkeit verdient und nerven manchmal richtig gehend.

Besonders positiv bei den Darstellern fällt Jerry Marwig auf, der der Stimme des jungen Udo Jürgens z.B. in „Siebzehn Jahr, blondes Haar“ sehr, sehr nahe kommt. „Vater und Sohn“ und „Gib mir deine Angst“ gehen unter die Haut. Zwar ist es etwas gewöhnungsbedürftig die Udo Songs plötzlich von einer Frau gesungen zu hören, doch “Ich weiß was ich will” klingt mit Kerstin Marie Mäkelburg z.B. richtig gut und übertrifft sogar das Original. Dafür dass der junge Robert Köhler ausgerechnet „Mit 66 Jahren“ singen muss, kann er ja nichts! Aber gut singen und rappen kann er allemal! Das ausgerissene alte Paar Ingeborg Krabbe und Horst Schultheis („Ich war noch niemals in New York“) singen bzw. spielen ihr Rollen gut und auch das Ensemble bringt – gemessen an der Livesituation – eine solide Leistung. Das schwule Pärchen Veit Schäfermeier und Ronny Rindler hätten dagegen dann doch besser ein Studio zum Einsingen von „Ein ehrenwertes Haus“ aufgesucht.

Abschließend lässt sich sagen: Wer die Musik von Udo Jürgens liebt, erhält eine erfrischend neue Interpretation seiner Lieder mit neuem Schmiss und Tempo. Nicht stören darf man sich aber daran, dass die Lieder oder Kompositionen von Udo Jürgens teilweise nur in Ausschnitten anklingen und die Liedtexte von Michael Kunze, Wolfgang Hofer und anderen in Sachen Anspruch mehrfach im krassen Gegensatz zur Story stehen.

JMS