Ausrichter der größten Jugendmusicalproduktion im deutschsprachigen Raum

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Archiv für März, 2018

OFFENER BRIEF AN DIE PRESSE- UND KOMMUNIKATIONS-ABTEILUNG UND DEN PRÄSIDENTEN DER TIROLER FESTSPIELE

Montag, März 19th, 2018
Sehr geehrte Frau Ruge,
Sehr geehrter Herr Dr. Haselsteiner,
Ich wollte meinen Augen nicht so recht trauen, als ich Ihre Pressemitteilung las, die Sie am 14. März 2018 versandt haben:
„Liebe Medienvertreter, nachdem so viel von Dritten über das Orchester aus Minsk gesagt wurde, möchten nun die Orchestermusiker selbst zu Wort kommen. Durch die vielen falschen Berichte, basierend auf Beschuldigungen von anonymen Musikern, art but fair und Markus Wilhelm, ist das Bild eines auf Almosen angewiesenen Orchesters entstanden, dass sie umgehend korrigieren wollen. Schließlich waren weder die Geschäftsführer von art but fair noch Markus Wilhelm jemals bei den Festspielen und folgten auch nicht unserer mehrfach wiederholten Einladung mit dem Angebot der Einsichtnahme in Vertragsunterlagen. Besonders durch den Bericht auf BR2 fühlt sich das Orchester nach eigenen Worten „durch den Schmutz gezogen“, es pocht auf den Respekt, den wir verdient haben“. Wir laden in Namen der Orchestermusiker zum Gespräch nach Erl ins Foyer des Festspielhauses am ersten Probentag mit Orchester.“
Im Ernst jetzt: Viele falsche Berichte? Beschuldigungen von anonymen Musikern? Ein auf Almosen angewiesenes Orchester? Durch den Schmutz gezogen? Pochen auf Respekt?
Warten Sie, ich gehe kurz in mich und überlege… Nichts, was Sie da schreiben, stimmt auch nur annähernd! Wie aus dem Schulbuch erkenne ich aber die typischen Manipulations-Strategien: dreiste Täter-Opfer-Umkehr, haarsträubendes Zünden von Nebelkerzen, billige Whataboutism-Reflexe, weitere unverschämte Lügen und empörende persönliche Diffamierungen Betroffener.
Wie Sie beschäftige ich mich die letzten Wochen ebenfalls mit kaum noch etwas anderem als Ihren Tiroler Trauerspielen (ich mag es einfach nicht mehr Festspiel nennen). Ich kenne keinen einzigen Artikel oder Radiobeitrag, der die Minsker Musikerkollegen durch den Schmutz gezogen oder es an Respekt hätte fehlen lassen! Im Gegenteil: Immer wurde mit sehr viel Empathie von den KünstlerInnen und ihrer Arbeit in Erl berichtet. Nie waren das Orchester, die SängerInnen oder deren Kunst Ziel der Kritik! Es ging und geht um die unfairen Arbeitsverhältnisse und unangemessenen Dumpinglöhne. Das ist übrigens etwas ganz anderes als Almosen, also Geld, das man Bedürftigen schenkt.
Es ist auch schlicht falsch, ständig zu wiederholen, dass es nur anonyme Aussagen gäbe. Ich wünschte mir, dass es mehr wären, ja. Aber ich verstehe auch, wieso es nicht geschieht! Der erste Musiker, der sich namentlich in der Öffentlichkeit outete, erwehrt sich jetzt bösartigen, persönlichen Angriffen Ihrerseits auf dessen künstlerische Qualität (Sie erinnern sich bestimmt: Wir haben deswegen Ihre Stellungnahme nicht veröffentlicht). Sie haben diese diskreditierenden Behauptungen sogar an Dritte und Medienvertreter weiter gegeben! Dem zweiten Musiker wurde inzwischen mitgeteilt, dass man künftig auf eine Zusammenarbeit verzichtet. Ich will mir gar nicht vorstellen, was wohl jener Dame, die vom BR2 interviewt wurde, geschähe, wenn Sie ihren Namen heraus bekämen!
Last but not least die angeblich vielen falschen Berichte. Ich halte hier fest: Kein einziger Vorwurf wurde bisher widerlegt. Zwar sieht die Staatsanwaltschaft Innsbruck derzeit offenbar noch keinen dringenden Tatverdacht bzgl. möglicher Sexualdelikte (eine offizielle Mitteilung darüber habe ich allerdings noch nicht), Herrn Wilhelm ist auch vorübergehend nicht gestattet, bestimmte Anschuldigungen öffentlich zu wiederholen, aber wohlgemerkt nur bis zu einer gerichtlichen Klärung. Statt dessen sind aber dubiose Vertragskonstrukte ans Licht gekommen, schändliche – durch öffentliche Bundes- und Landesfördermittel unterstützte – Dumpinglöhne, unterirdische Arbeitsverhältnisse und charakterliche Schwächen auf Leitungsebene, die bei jedem anderen Veranstalter zu sofortigen persönlichen Konsequenzen geführt hätten.
Nein, wir werden Ihren miesen Spielchen nicht auf den Leim gehen (der Großteil der freien Medien natürlich auch nicht), art but fair wird weiterhin für die Wahrheit Zeugnis ablegen und den Verantwortlichen der Tiroler Spiele schließlich Ihr mieses Handwerk legen! Und wissen Sie auch wieso? Aus Respekt vor den beteiligten KünstlerInnen aus Minsk oder woher auch sonst sie kommen mögen!
Ein letztes Wort an Sie, Herr Dr. Haselsteiner: Sie haben bisher ja immer von einer politischen Verleumdungskampagne und einer Schweinerei fabuliert. Dabei ging es Ihnen selbstverständlich immer nur um sich selbst und natürlich Ihren Spezi, mit dem sie nicht zusammen untergehen wollen. Verantwortlich und integer wäre es gewesen, wenn Sie sich sofort um die wahren Opfer gekümmert hätten: Nämlich all jene, die sich aus Angst vor Ihnen bis heute nicht trauen, aus der Anonymität zu treten! Am 11. März 2018 übertreffen Sie sich dann in Ihrer Kaltschnäuzigkeit aber selbst: “Die Festspiele Erl sind ein kulturelles Aushängeschild Tirols. Durch die nun beschlossenen Maßnahmen wird volle Transparenz und Offenheit gewährleistet.“
Schämen Sie sich eigentlich nicht? Keine einzige Maßnahme hat die vielen Frauen im Blick, mit denen wir und andere Künstlervertreter tagtäglich telefonieren! Bis heute kein Opfertelefon, keine unabhängige Anlaufstelle, nicht einmal der Versuch, unseren Vorwürfen nachzugehen! Statt dessen juristische Grabenkämpfe und mediale Schlammschlachten! Ich habe mich von Anbeginn gefragt, was Sie persönlich dazu motiviert… Ein Schelm wer Böses dabei denkt!
Für art but fair Deutschland, Österreich und Schweiz
Johannes M. Schatz
art but fair Deutschland e.V.
- Vorsitzender -